Krieg & Kunst

Wissen hautnah erleben
RESONANZ*KÖRPER*WERKSTATT
Eine Projektreihe ab Herbst 2015

Resonanz*Körper
Schwingungen bestimmen unsere Lebenswelt

Resonanz*Körper ist ein innovatives künstlerisches und wissenschaftliches Veranstaltungsformat, das erstmals im Oktober 2014 durch ein dreitägiges Festival auf dem Gelände des geplanten zukünftigen Kulturcampus in Frankfurt-Bockenheim realisiert wurde. Spielorte waren im letzten Jahr das Senckenberg Naturmuseum, der Campus mit dem Studierendenhaus, der Zendome des Frankfurter Kinderprojektes und das Institut für Kunstpädagogik der Goethe-Universität. Ab dem Herbst 2015 soll nun dieses Format durch eine Resonanz*Körper*Werkstattreihe eine Fortsetzung finden.

Die Idee dieser Resonanz*Körper*Reihe ist es, durch eine temporäre Bespielung bekannte und weniger bekannte Orte in Frankfurt in einem ungewöhnlichen interkulturell-wissenschaftlichen Kontext überraschend anders erstehen zu lassen. Und sie in Stätten einer lebendigen Wissensproduktion zu verwandeln. Einem Think Tank ähnlich bringt das Format Resonanz*Körper engagierte´und interessierte Menschen zusammen mit kreativen Künstlern und exzellenten Wissenschaftlern und Musikern. Das Ganze aber nicht-elitär aufgesetzt, sondern „von unten und für Alle“ die Interesse haben an den brennenden Fragen der Zeit. Die Lust auf Lernen haben. Mit garantiert eingebautem Perspektivenwechsel auf wesentliche Themen der Gegenwart.

In einem Crossover von Kunst, Musik, Performance und forschender Wissenschaft soll dem Besucher ein spannender Zugang zu einem unmittelbaren, mit allen Sinnen erlebbaren neuen Wissensraum ermöglicht werden. Wissen, das heraus wächst aus alten Denk- und Verhaltensmustern, Platz macht für Veränderung. In Zeiten eines Information Overload stellt ein dezidiert qualitativer Zugang zu Informationen (aus erster Hand) eine wichtige Schnittstelle dar: wie wird Wissen relevant für eigenes und gesellschaftliches Handeln und Verhalten? Wie können wir lernen, unserem Wissen von der Welt auch eine gestalterische, kreative und lebendige Dimension zu geben – über alle sozialen und kulturellen Grenzen hinweg?

Emotionales Lernen und die Produktion von Gefühlswissen auf Basis zeitgemäßer Erkenntnisse aus Kommunikations- und Neurowissenschaften stellen eine wesentliche Grundlage dieses Veranstaltungskonzeptes dar. Ebenso wie konzeptionelle Entwürfe einer neuen Art des Lernens im Sinne sozialer Choreografien.

Resonanz*Körper steht als Metapher für dynamische Kommunikation auf mehreren Ebenen: der sozialen wie individellen, der physikalisch-körperlichen wie der geistigen, der spielerischen wie der intellektuellen, der Innen – und Außenwelt.

Resonanz*Körper eröffnet dieser „Außenwelt-Innenwelt“-Interaktion neue Räume: Erfahrungen „in der Welt zu sein“ bilden innere Prozesse heraus des kognitiven, sinnlich-emotionalen und sozialen Erlebens. Denken ist Resonanz ist Kommunikation mit der Welt und anderen Menschen. Wie bildet sich diese Welterfahrung heraus: was wissen wir wirklich und wie wissen wir, was wir wissen? : Durch Resonanzen sind wir verbunden, wir leben in einem Feld resonanter Beziehungen miteinander und in der Welt.

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Resonanz*Körper*Werkstatt No. 1 „Krieg und Kunst “

Zum Auftakt der Resonanz*Körper* Werkstattreihe wird am 14. November 2015 in der Matthäuskirche in Frankfurt in unmittelbarer Nähe der Messe das Verhältnis von „Krieg und Kunst“ aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden.

Krieg versus Kunst, Kunst versus Krieg – von ART und UNART

Der Krieg ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Und sein künstlerischer, medialer Widerhall begleitet ihn wie ein Schatten. Die künstlerische Darstellung der Sieger und die Verschmähung der Gegner findet sich schon im Altertum in Reliefs an über 4000 Jahre alten altägyptischen Tempeln. Der Krieg in den Medien geht über alle Genres, Kultur- und Kunstformen hinweg: von den Heldenliedern der nordischen Dichtungen bis zu denen der klassischen Antike oder dem indischen Epos. Homer singt vom (Trojanischen) Krieg, einem europäischen Ur-Epos. Aber auch der Islamische Staat und das Pentagon singen ihre Lieder. Der Krieg als Kunst findet sich in der chinesischen und japanischen Philosophie wie in der europäischen Aufklärung – bis hin zu den heroisierenden Ideologien der Weltkriege im 20. Jahrhundert. Der Krieg als „gerechte Sache“, als Beutezug auf fremden Terrain, als göttlich-menschliche Verstrickung – der Krieg als kultureller, politischer oder ideologischer Auftrag – als perfekte wie perfide Inszenierung, als verlogene Propaganda: der Krieg hat viele Gesichter, die sich in Kunst und Medien widerspiegeln. Der Krieg vernichtet nicht nur den Feind, sondern auch dessen Kultur. Dem soll in der Resonanz*Körper*Werkstatt „Krieg & Kunst“ auf die Spur gegangen werden, u.a. mit wissenschaftlichen Beiträgen von:

Dr. Gabriele Mackert, Kunstwissenschaftlerin: „Krieg. Zum alltäglichen Ausnahmezustand in der Kunst“

Dr. Tanja Bernsau, Kunstgeschichtlerin, Kunstdetektivin, Wiesbaden: „Raubkunst“
Der Umgang mit der Kunst der Feinde, der Verabscheuten, der Besiegten öffnet ein weiteres Kapital. Raub, Vernichtung, Versklavung – Krieg setzt auf Beherrschung durch Gewalt. Die andere Kultur (das „Feinbild“) steht oft ganz oben auf der Abschussliste: „entartet“, häretisch, heidnisch, fremd, minderwertig – Grund genug sie zur Zerstörung freizugeben – oder zur klammheimlichen Versilberung auf schwarzen Kunstmärkten.

Prof. Dr. Walter Sommerfeld, Philipps-Universität Marburg: „Angriffsziel Kultur“

Aktuell sind es die Zerstörungen durch den Islamischen Staat an antiken Stätten in Syrien und im Irak, die uns entsetzen. Aber auch die Bedrohung von Wissenschaftlern an Leib und Leben, die sich für den Erhalt von Kulturgütern und Kunstschätzen einsetzen, hat eine neue Dimension erreicht, wie jüngst der Chef der Syrischen Antikenverwaltung Maamoun Adulkarim erklärte: „Wir sind alle zum Tode verurteilt…“ Prof. Sommerfeld ist Alt-Orientalist an der Universität Marburg und kennt die Lage im Nahen Osten aus eigener Erfahrung in seiner Forschungstätigkeit.

Sascha Stoltenow, Ex-Fallschirmjäger, Medienhistoriker und PR-Berater, Frankfurt: Krieg als Marke – Ästhetiken, Identitäten und Inszenierungen ()

Krieg erringt seine Siege nicht allein auf dem Schlachtfeld, sondern vor allem auch an der Propagandafront, der manipulierten Darstellung oder einer Ästhetisierung der tatsächlichen Ereignisse. Vor den Toren der „Festung Europa“ hat sich mit dem „Islamischen Staat“ ein selbsternanntes Kalifat etabliert in Syrien und dem Irak, dessen medialen Inszenierungen ungebrochene Attraktivität auf Tausende junger Muslime ausüben. Und sie veranlasst hat, in den Krieg zu ziehen. Wir analysieren Ästhetisierung und Medialisierung des IS.

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ART versus WAR – Kunst gegen Krieg

Kunst reflektiert nicht nur den Krieg, Kunst bezieht Positionen für die Menschen und gegen das Töten. Kunst kann anklagen. Kunst schafft es, Sichtweisen zu verändern, Feindbilder aufzulösen und Gräben zu überwinden. Kunst kann zerstörerische Energien transformieren. Kunst kann sogar Wunden heilen.

Der deutsch-türkische Maler Deniz Alt malt Bilder nicht nur als Statement gegen die Gewalt des Krieges, er friert sie auch ein. Das Gemälde im Eisblock, tiefgefroren, das langsam auftaut und zerschmilzt, wie die Zeit zerschmilzt. Wasser zerrinnt wie die Erinnerung. Flüchtlinge die ertrinken beim Versuch das Mittelmeer zu überqueren…

Sabrina Baskal stammt aus Südafrika und ist Studentin an der Goethe-Universität. Sie hat in einem Bilderzyklus Porträts von Flüchtlingen aus dem größte Flüchtlingslager der Welt in Dabaab in Kenia gezeichnet…Sarah Riel zeigt ihre malerischen Reflexionen zum Thema Krieg.

An der Sophienschule, einer Frankfurter Hauptschule, gibt es eine große Vielfalt an Kulturen, Religionen und Sprachen. Wir erfahren fast täglich spannende, schöne, witzige und manchmal auch traurige Details über die (Einwanderungs-) Geschichten der Schülerinnen und Schüler, denn ein nicht allzu kleiner Teil der Kinder und Jugendlichen ist in den letzten Jahren nach Deutschland zugewandert. Die Gründe hierfür sind ganz unterschiedlich und haben zugleich eine Gemeinsamkeit: die Hoffnung auf ein besseres Leben in Deutschland. Die Ausstellung „Mein Weg nach Deutschland“ besteht aus 22 A 2 Bögen, die in Wort und Bild, die Alltags-Geschichten von Jugendlichen und drei Pädagogen zeigen.

Schauen wir in unsere Geschichte: wer von uns ist nicht betroffen von Krieg und Vertreibung? Die persönlichen Familiengeschichte(n) als Lehrstück – erlebbar gemacht in einer Sozialen Choreografie (Steve Valk, angefragt) des Austausches persönlicher Erinnerungen mit unbekannten Menschen…

Workshop-Programm: (mit deutschen Jugendlichen und Flüchtlingskindern) Aikido, Capoeira, Instrumentenbau, Perkussion, Essen zubereiten (Schnippelfood)

Filmprojekt „Der Graben“ (Birgit Sommer, Filmemacherin, Frankfurt)
Re-Enactment nennt man das Nachspielen von historischen Ereignissen, wie dem Krieg. Eben erst in Waterloo zu sehen, die Schlachtendarstellung von vor 200 Jahren. Was taugt ein solches Reenactment? Die Frankfurter Filmemacherin Birgit Sommer hat in Kärnten im Sommer 2014 einen Film über das Verhältnis von deutsch-nationalen Österreichern und Slowenen im Krieg gedreht: DER GRABEN. Im Mai hatte er Premiere im ORF. Mit dem Nachspielen der eignen Geschichte haben sich auch die Gräben zwischen den Volksgruppen geschlossen. Ein Beispiel für ein Überwinden von Gegensätzen und Feindschaften durch das Rollenspiel.
Film und Krieg: Ukrainian Agony – Der verschwiegene Krieg
Film und Flüchtlinge: Marsch der Würde

Performance: Dirk Baumanns, Janina Castellano

Musik:

Nathalia Grotenhuis – ‚Diskurs’ (musikalische Performance)/Percussionworkshop
Rafael Sotomayor – Hangsolo
Puschan Mousavi – Violine
Dorte Sukavi & Alfred Wolski – Klangritual
Morgaine & Lasse Tjorben (Gitarre und Gesang)
Piere Dekker – Kontrabass
Kenzo Loops – Beat Box
Max Clouth & Nicole Sharma – Gitarre und Gesang
Rap-contest hosted by Dragomir